10. Was wurde aus den Hauptfiguren ?
| Was ist aus den Hauptfiguren der Geschichte geworden ? Wie beschrieben hat das Deutsche Rote Kreuz 1972 bestätigt, dass Ernst noch 1945 gestorben ist, also im selben Jahr, in dem die Sowjets ihn zum Verhör das Berlin-Köpenick gebracht hatten. Ida hat von dieser Bestätigung selbst nicht mehr erfahren. Fünf Jahre nach Kriegsende ist sie, immer noch in der Bürknerstraße 1 wohnend, einem Herzversagen erlegen. Otto hat seinen Lebensabend in dem südeuropäischen Land verbracht, in das ihn Reichspräsident Hindernburg kurz vor seiner Abwahl als Botschafter entsandt hatte. Nicht der Politik, sondern der Pflanzenzucht gehörte Ottos Liebe in den letzten Jahren seines Lebens. Und auch Gudrun war den Erzählungen nach von der Pflege des Gartens auf ihrem Anwesen erfüllt. Was sich so sorgenfrei anhört, war es tatsächlich nicht. Pflanzenpflege führte mit Hilfe von Pestiziden zu besonders großen Erfolgen, birgt bekanntlich aber auch große gesundheitliche Gefahren. Gudrun starb an Krebs, Ottos zweite Frau, mit der er im selben Haus wie zuvor mit Gudrun lebte, starb ebenfalls an Krebs und er selbst 1963 schließlich auch. Nachfragen in seinem Umfeld nähren die Vermutung, dass die übertriebene Verwendung der Pestizide die Ursache der Erkrankungen gewesen sind. Und Inge, meine Mutter. Sie hat das Kriegsende um mehr als sechzig Jahre überlebt, ohne jemals auch nur Bruchstücke der Geschichte durchklingen zu lassen. Gleichzeitig hat sie die Dokumente, die Briefe und die Fotos sorgsam gehütet und irgendwann in den letzten Jahren ihres Lebens für mich auffindbar deponiert. Fragen waren nicht mehr möglich, aber Teilantworten lieferten schon die Unterlagen. Einen anderen Teil habe ich auf meinen Recherchereisen erfahren. Die Figuren sind für mich plastischer geworden, und ich habe darüber hinaus eine Menge gelernt. Ich habe nicht alles erfahren, die Erkenntnisse über die Lebensstränge sind nicht lückenlos geblieben. „Lieber Herr Schmidt“ ist keine Dokumentation, sondern ein Roman. |
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