6. Der Zufall am Wegesrand
Ottos Verbindung mit der Industriellen-Tochter Gudrun ist keine
Erfindung, diese Ehe hat es tatsächlich gegeben, Die Familie
lebte in einer Villa im Berliner Grunewald. Und Otto und Gudrun
haben sich ebenfalls familiennah ein Haus im Grunewald 
gekauft. In der Herthastraße.

Bevor Ernst Schmidt, also der „liebe Herr Schmidt“, ins 
Propagandaministerium wechselte und von dort ins polnische
Generalgouvernement geschickt wurde, arbeitete er für einige
Zeit im Reichsluftschutzbund. Dessen Adresse war ebenfalls 
im Grunewald, in der Wallotstraße 19. Nichts spricht dafür, 
dass Ernst in dieser Zeit Kenntnis davon hatte, wo Ottos
Privathaus stand.

Ohne es zu wissen, ging Ernst wochenlang, monatelang, ja
jahrelang zwei Mal am Tag an Ottos Wohnung vorbei. Von der
Bushaltestelle zum Reichsluftschutzbund und natürlich auch
umgekehrt führte ihn der Weg durch die Herthastraße. Was
für ein außergewöhnlicher Zufall ?

Beide Gebäude existieren auch heute noch. Da, wo damals
in der sogenannten „Villa Linde“ der Reichsluftschutzbund
untergebracht war, residiert heute das Wissenschaftskolleg,
eine Einrichtung in Form einer Stiftung auf hohem 
wissenschaftlichem Niveau. Und das Wohnhaus in der
Herthastraße ist heute im Besitz eines neuen privaten 
Eigentümers.

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