5. Idas Krise und Inges Poesiealbum
Mitte der Dreißiger Jahre war für die kleine Familie Schmidt 
keine leichte Zeit. 

Der politische Druck nach Hitlers Machtergreifung wuchs und 
hatte direkte Auswirkungen auf Ernsts beruflichen Werdegang. 
Wenn die Empfindungen der damals elfjährigen Johanna 
Schmielinski, der Freundin von Inge, zutrafen, wird auch Ida 
Ernsts Neigung in dieser Zeit mit Sorge registriert haben. Das 
Thema Konfirmation war ein weiteres Reizthema. Und die 
Begegnung auf dem Hohenstauffenplatz mit Gertrud und Lisa 
war sehr wahrscheinlich ebenfalls keine Nebensache für Ida.

Nein, vor allem für Ida wird die Mitte der Dreißiger Jahre
schwierig gewesen sein und nur wenige optimistische 
Ausblicke zugelassen haben. Im versteckten, aber leicht
zu findenden Nachlass habe ich noch einen weiteren Beleg
gefunden, das Poesiealbum meiner Mutter.Viele Freundinnen
haben sich darin verewigt, aber auch Idaselbst. Im Mai 1935
schreibt sie folgende Zeilen:

Riss dich das Leben auch nackt und arm,
stahl es dir Friede, Freude und Glauben,
gab es dir nichts als Kummer und Harm,
alles konnte es dir nicht rauben.

Leg deinen Kopf in ihren Schoß,
dich auszuweinen.
Ring dich aus aller Bitternis los,
klag alles der einen.

Keine kann so wie sie versteh’n,
keine kann so wie sie verzeih’n.
Von allen Frauen, die um dich geh’n, 
die herzlichste ist die Mutter dein.

In Liebe immer
Deine Mutter

Wenn man bedenkt, dass Ida diesen Eintrag für ihre Tochtergeschrieben hat, dann klingt da für mich bei Ida eine großeTraurigkeit und Niedergeschlagenheit durch, die aus meinerSicht durch die beschriebenen Lebensumstände durchauserklärbar sind.

Hinterlasse einen Kommentar